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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Flughafen-Jahresbilanz 2024 Vor allem die junge Generation fliegt immer mehr

Der Hamburger Flughafen hat 2024 mit höherem Gewinn abgeschlossen und investiert in Verbesserungen für Passagiere. Als Anlass für Flugreisen gibt es neben Urlaub und Business seit neustem einen weiteren Grund.
Die Passagierzahlen haben sich schneller als erwartet erholt. Das Jahr 2024 war "überaus erfolgreich", sagte Christian Kunsch, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport auf der Bilanz-Pressekonferenz: "Wir haben eine halbe Million Passagiere mehr als geplant und damit gestiegene Umsatzerlöse." Dazu beigetragen hätten der gesamte Luftfahrtbereich, der Passagierservice sowie die Umsatzmieten aus Gastronomie und Shops.
Zum zweiten Mal nach Corona konnte das Unternehmen wieder einen Gewinn vermelden, der sich von 6,6 auf 20,4 Millionen Euro verdreifachte. Wichtigste Wachstumstreiber unter den 14,8 Millionen Passagieren (2023: 13,6 Millionen; 2019: 17,3 Millionen) seien Privatreisende, die inzwischen 78 Prozent der Fluggäste ausmachen.
Dagegen stagniert der Anteil an Geschäftsreisenden bei 21 Prozent. Die restlichen ein Prozent gaben erstmals als Grund "Workation" an. Das Schachtelwort ist eine Kombination aus Arbeit und Urlaub. Denn immer mehr Menschen verlegen ihr Homeoffice vorübergehend an einen attraktiven Ort, sei es an ein Mittelmeerziel oder in eine andere Metropole.
Junge Leute fliegen immer häufiger
Die Jahresauswertung zeigt, dass die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen am häufigsten in ein Flugzeug steigt. Deren Anteil liegt bei mehr als einem Viertel. Die stärksten Zuwächse verzeichnet jedoch das Segment der Flugreisenden im Alter unter 24 Jahren. Interessant ist auch, dass 17 Prozent aller Passagiere zu einem Endziel außerhalb der Europäischen Union fliegen.
Für das laufende Jahr hat sich die Flughafenführung viel vorgenommen. Bereits begonnen hat die Erneuerung der Sanitärbereiche. Dort werden auch Wasserspender für mitgebrachte Flaschen installiert – ein häufig geäußerter Wunsch bei Passagierbefragungen. Neue CT-Scanner sind in der Sicherheitskontrolle bereits im Einsatz. Innerhalb der nächsten drei Jahre werden 20 Millionen Euro in die Terminals investiert. Davon sollen hauptsächlich die Fluggäste profitieren.
Konkret heißt das: Sitzbereiche werden modernisiert und fünf Kinderspielecken sollen noch bis zu den Sommerferien eingerichtet werden. Der Flughafen schafft in diesem Jahr außerdem 50 Rollstühle und Multi-Scooter für mobilitätseingeschränkte Reisende an. Zum Herbst 2025 soll eine neue 80 Quadratmeter große Raucherlounge eröffnen, eine wesentliche Verbesserung gegenüber den gläsernen Zellen, deren stickige Abluft Reisende oft stört.
In der Testphase befindet sich die App "Bag & Go", die per Barcode abgerufen werden kann. Laut Geschäftsführerin Berit Schmitz zeigt die App sowohl Ankommenden wie auch Abholenden, wann genau und an welchem Band das Gepäck ausgegeben wird. So kann die Wartezeit besser vorherbestimmt und überbrückt werden.
Womit Flugreisende rechnen müssen
Für das laufende Jahr rechnet die Geschäftsführung mit ähnlichen Zahlen wie 2024: 55 Airlines bieten Flüge zu 120 Destinationen an. Zu den Fluggesellschaften mit den meisten Flügen zählen Eurowings, Lufthansa, Condor, Ryanair und Easyjet, die seit dem 30. März auch von Hamburg täglich nach Rom und Mailand-Malpensa fliegen. Für den laufenden Betrieb sieht sich der Flughafen gut aufgestellt. Doch kann es zu Unregelmäßigkeiten durch Streiks kommen. In diesem Jahr musste Hamburg bereits fünf Streiktage verkraften. Besonders bitter: Die Arbeitsniederlegung traf Urlauber in den Hamburger Skiferien. Im vergangenen Jahr kam der Flughafen an 13 Tage zum Stillstand. Das bedeutete einen Verlust von 2 Millionen Euro.
Laut Christian Kunsch müssen Flugreisende in der Hochsaison mit Einschränkungen rechnen, deren Ursache ganz woanders liegen: "Der Luftraum ist ein echter Engpass." Da die Ukraine nicht überflogen werden darf, müssen die Jets verstärkt auf Routen über Mitteleuropa ausweichen. Dort kommt es zu Überlastungen und Slot-Zeiten können nicht wie geplant eingehalten werden. Zusätzlich wirbeln Schlechtwetterereignisse wie Starkregen so manchen Flugplan durcheinander.
- Eigene Recherchen