Angreifer kam kurz vor der Tat aus U-Haft Ibrahim A.s Anwalt überrascht über Entlassung seines Mandanten

Nur wenige Tage vor der Messerattacke in einem Regionalzug kam der Tatverdächtige aus der U-Hast frei. Sein Anwalt kritisiert das.
Rechtsanwalt Björn Seelbach, der nach der Messerattacke in einem Regionalzug bei Brokstedt den staatenlosen Palästinenser nach eigener Auskunft vertritt, hat sich überrascht gezeigt, dass sein Mandant wenige Tage vor der Tat auf freien Fuß gekommen war. Es wäre "besser gewesen, man hätte ihn auf die Entlassung vorbereiten können", sagte Seelbach dem "Spiegel".
Da der mutmaßliche Angreifer vor seiner Inhaftierung in Hamburg obdachlos gewesen sei, "stand er jetzt auf der Straße". Sein Mandant habe keine Familienangehörigen in Deutschland. Dem Anwalt zufolge kam der staatenlose Palästinenser aus dem Gazastreifen. Seine Familie sei von der radikalen Palästinenserorganisation Hamas drangsaliert worden. "Das war der Grund für seine Flucht."
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Angreifer will nicht aussagen
Der mutmaßliche Täter will zu dem tödlichen Angriff offenbar vorerst nicht aussagen: Er mache von seinem Schweigerecht Gebrauch, sagte Seelbach.
Der 33-Jährige soll am Mittwoch in einem Regionalzug auf der Fahrt von Kiel nach Hamburg auf Passagiere eingestochen haben. Eine 17-Jährige und ein 19-Jähriger starben; zwei Menschen wurden lebensgefährlich und drei weitere schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde inzwischen in Untersuchungshaft genommen. Ihm werden laut Staatsanwaltschaft zweifacher heimtückischer Mord und mehrfacher versuchter Totschlag zur Last gelegt.
Der polizeibekannte Verdächtige war erst in der vergangenen Woche in Hamburg aus einer etwa einjährigen Untersuchungshaft entlassen worden. Hintergrund war laut Ermittlungsbehörden eine noch nicht rechtskräftige Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung.
- Nachrichtenagentur afp