Umstrittene Hymne am Millerntor "Das Herz von St. Pauli": Verein verkündet Neuigkeiten

Die beliebte Stadionhymne "Das Herz von St. Pauli" steht im Verdacht, einen nationalsozialistischen Hintergrund zu haben. Nun hat der Verein sich geäußert.
Die Ergebnisse einer Forschungsgruppe des St. Pauli Museums sorgten für Aufsehen: Die beliebte Stadionhymne "Das Herz von St. Pauli", die bei jedem Heimspiel des FC St. Pauli vorab gesungen wurde, könnte aus der Feder eines Nazi-Profiteurs stammen. Für einen Verein, der sich entschieden gegen Rassismus und Faschismus stellt, eine Katastrophe. Daraufhin wurde das Lied zunächst nicht mehr gespielt oder gesungen.
In einem offenen Prozess sollten zunächst mehr Informationen und weitere Recherchearbeiten geleistet werden, um über die Zukunft des Songs am Millerntor zu entscheiden.
Forscher brauchen mehr Zeit
Nun hat sich der Verein erneut zu Wort gemeldet. Eigentlich wollte man schon gemeinsam mit dem Museum Ende März, spätestens Anfang April, über Neuigkeiten informieren. "Doch dieser Termin hat sich als zu kurzfristig für eine umfassende wissenschaftliche Einordnung erwiesen", teilte der Verein schriftlich mit. Zwei Wissenschaftler seien weiterhin damit beschäftigt, "verschiedene historische Quellen zu recherchieren, zu bewerten und einzuordnen." Auch seien die Forscher im Austausch mit der Familie des Texters, um "weitere Perspektiven einzuholen und eine differenzierte Darstellung zu erarbeiten." Das Lied solle in seinen historischen Kontext eingebettet betrachtet und diskutiert werden, was umfangreiche Recherchen erfordere.
Die Aufarbeitung der Entstehungsgeschichte scheint also deutlich mehr Zeit zu benötigen. Nun sollen zum Saisonende die nötigen Infos vorliegen. "Bis zum Saisonende bleibt das Abspielen des Lieds vor dem Spiel ausgesetzt", informiert der Verein. "Eine endgültige Entscheidung wird getroffen, wenn die Dokumentation vorliegt und unter anderem auf einer Veranstaltung diskutiert worden ist."
Unter den Fans war direkt nach dem Bekanntwerden der ersten Rechercheergebnisse eine große Diskussion entbrannt. Für die einen ist der Song ein liebgewonnenes Ritual, unabhängig von der Geschichte des Liedes. Für andere ist es unvorstellbar, eine Hymne aus der Feder eines vermeintlichen NS-Profiteurs zu schmettern. Nun müssen sich die Anhänger des Vereins bis Mitte Mai gedulden, wenn die Saison endet, bis eine Entscheidung gefällt wird.
- fcstpauli.com: "Das Herz von St. Pauli": Dokumentation und Veranstaltung nach der Saison
- millernton.de: So geht es weiter mit "Das Herz von St. Pauli"