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Hamburg

Hamburg: Mieten-Wahnsinn in Eimsbüttel – Mini-Zimmer für fast 700 Euro


Wucher-Wahnsinn in Hamburg
Firma vermietet Mini-Zimmer für 700 Euro


04.04.2025 - 13:01 UhrLesedauer: 3 Min.
Altbauwohnungen in Hamburg-Eimsbüttel (Symbolbild): Der Umbau klassischer Mietwohnungen in hochpreisige Mini-Zimmer sorgt für Kritik.Vergrößern des Bildes
Altbauwohnungen in Hamburg-Eimsbüttel (Symbolbild): Der Umbau klassischer Mietwohnungen in hochpreisige Mini-Zimmer ruft Kritik hervor. (Quelle: Hoch Zwei Stock/Angerer)
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In einem Haus in Hamburg-Eimsbüttel wird ein winziges Zimmer für mehrere Hundert Euro vermietet – möbliert, aber mit Gemeinschaftsbad. Dahinter steckt ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell.

Ein schmales Bett, ein Kleiderschrank und ein kleiner Tisch – auf sechs Quadratmetern ist kaum Platz für mehr. So sieht das Zimmer aus, das im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel für fast 700 Euro monatlich angeboten wird. Küche und Bad werden gemeinschaftlich genutzt, die Zielgruppe sind junge Berufstätige oder Studierende.

Hinter dem Angebot steht Stacey Real Estate – ein Unternehmen, das mit dem Konzept des "Coliving" wirbt: möblierte Kleinstwohnungen mit geteilten Gemeinschaftsflächen. In einem aktuellen NDR-Bericht beschreibt ein älteres Ehepaar die Umwandlung des Hauses, in dem die beiden zur Miete wohnen – und ihre Sorgen.

Mini-Zimmer für Maxipreise

Die Firma Stacey hat das Gebäude offenbar systematisch umgebaut: Aus regulären Mietwohnungen wurden Mini-Apartments mit Küchen und Bädern, die sich mehrere Mieter teilen müssen. Die Preise stehen in keinem Verhältnis zur Ausstattung, kritisiert das Ehepaar, das seit Jahrzehnten dort lebt. Nun fürchten sie, dass bei jedem Mieterwechsel eine weitere Wohnung dem Luxusmodell von Stacey zum Opfer fällt.

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Bereits vor knapp zwei Jahren berichtete die Wochenzeitung "Die Zeit" über das Gebäude "Bei der Apostelkirche 13". Ein junger Praktikant zahlte dort knapp 1.000 Euro Miete für ein möbliertes 15-Quadratmeter-Zimmer. Die Ausstattung: schlichte Ikea-Möbel, eine spärlich eingerichtete Gemeinschaftsküche und ein Waschservice über einen externen Anbieter.

Stacey bewirbt das Modell auf der eigenen Webseite als "voll möbliert" mit "wöchentlicher Reinigung" und "Internet inklusive". Es gibt weitere Adressen am Mühlenkamp, auf St. Pauli, in Eppendorf, Othmarschen oder der Innenstadt. Eine Anfrage von t-online an Stacey zu dem Vermietungsmodell blieb bislang unbeantwortet.

Rechtlich ist kaum etwas zu machen

Obwohl der Fall sowohl öffentlich als auch politisch hohe Wellen schlägt, sind die Möglichkeiten der Behörden bislang begrenzt. Das Bezirksamt Eimsbüttel teilte t-online auf Anfrage mit, dass diese Form der Vermietung zwar geprüft worden sei, aber keine Verstöße gegen geltendes Recht vorlägen. Ein Verfahren wegen eines möglichen Leerstands laufe noch – ansonsten bestehe "kein rechtlicher Spielraum", das Modell zu untersagen.

Die Hamburger Behörde für Stadtentwicklung sieht ein strukturelles Problem. Sprecher André Stark erklärte t-online, dass die Umgehung der Mietpreisbremse durch möbliertes Wohnen "zügig unterbunden werden" müsse.

Gemeinsam mit anderen Ländern brachte Hamburg einen Gesetzesantrag in den Bundesrat ein – mit dem Ziel, das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) zu verschärfen. Doch der Vorstoß scheiterte am Widerstand des Bundesjustizministeriums. "In der kommenden Legislatur werden wir unsere Initiative daher schnellstmöglich wieder auf die Tagesordnung bringen, um dieses Geschäftsmodell wirksam zu verhindern", so Stark.

"Die Politik weiß seit Jahren Bescheid"

Die rechtliche Grauzone ist seit Langem bekannt – Anbieter wie Stacey nutzen sie gezielt. Mietverträge ab drei Monaten gelten als reguläre Wohnnutzung, viele Schutzregeln greifen nicht. Zugleich fehlt eine bundesweit einheitliche Regelung für Möblierungszuschläge. Vermieter können den Preis für sogenannte "Premium-Zimmer" weitgehend frei festlegen.

Rolf Bosse, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg, kritisiert das Modell scharf: "Das ist kein normaler Mietwohnraum mehr. Man bietet das zu Preisen an, die weit über dem liegen, was man bei einer normalen Anmietung bezahlen würde", sagte er dem NDR. "Die Politik weiß seit Jahren Bescheid, aber passiert ist bisher nichts."

Zurück in Eimsbüttel: Das Ehepaar hofft, dass ihr Haus nicht Stück für Stück entmietet wird. Sie beobachten, was mit leer stehenden Wohnungen geschieht – und haben sich laut NDR an die Behörden gewandt. Die Nachbarschaft fürchtet, dass sich das Geschäftsmodell weiter ausbreitet und bezahlbarer Wohnraum vernichtet wird.

Verwendete Quellen
  • stacey.de: "Coliving Apartments in Hamburg" (Sprache: Englisch)
  • Schriftliche Anfrage an das Bezirksamt Eimsbüttel
  • Schriftliche Anfrage an die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen
  • Schriftliche Anfrage an Stacey Real Estate (unbeantwortet)

Quellen anzeigenSymbolbild nach unten

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